Eine Auswahl meiner Texte für die F.A.Z. und neunetz.com sowie Folgen des Podcasts Exchanges. Zu jedem Beitrag steht hier die Kernthese, weil einige Originale hinter einer Bezahlschranke liegen.
Texte
F.A.Z.·
Tokenpreise: Wie Agentenverbrauch Unternehmensbudgets beeinflusst
Die Kosten für KI-Ergebnisse fallen schneller als bei jeder vergleichbaren Technologie zuvor. Trotzdem steigen die Rechnungen der Unternehmen, weil Reasoning-Modelle und Agenten den Verbrauch vervielfachen. Zugleich verlagern die Anbieter das Mengenrisiko auf ihre Kunden, sodass das eigentliche Problem die Planbarkeit ist und nicht der Preis. Eine neue, dauerhafte Marge entsteht in der Steuerungsschicht über den Modellen, während die Preismacht eines einzelnen Modells schnell verfällt.
Meta und Sierra wollen KI-Agenten einen Ausweis geben
Mit dem Personal Agent Protocol wollen Meta und Sierra regeln, wie sich KI-Agenten bei Unternehmen ausweisen und was sie im Auftrag eines Kunden tun dürfen. Damit verschiebt sich die Machtfrage von der Schnittstelle zur Vollmacht; wer sie festlegt, entscheidet über den Zugang zum Kunden. Ob daraus ein offener Standard wird, entscheidet die noch fehlende Governance; den Härtetest bestimmt Amazon, das Metas Agenten Muse aussperrt. Deutsche Händler und Banken fehlen auf der Partnerliste und sollten ihre Anforderungen jetzt einbringen.
Anthropic MHS: Wenn KI direkt mit Maschinen spricht
Mit dem Model Hardware Standard will Anthropic Geräte für KI-Agenten auffindbar und bedienbar machen, auch ohne vorheriges Training an der einzelnen Maschine. Für den deutschen Maschinenbau zählt weniger, welcher Standard sich durchsetzt, als die Frage, wem künftig die verbindliche Beschreibung der Maschine gehört. Mit OPC UA und seinen Companion-Spezifikationen hat die Industrie dafür ungewöhnlich viel Substanz. Das Risiko liegt darin, diese Position ungenutzt zu lassen.
Deepseek und Huawei greifen Nvidias Software-Burggraben an
Nvidias Vorsprung liegt nicht allein im Silizium, sondern auch in der Programmierumgebung CUDA, die jeden Wechsel teuer macht. Genau dort setzen Deepseek und Huawei an: Software, die für Nvidia geschrieben wurde, soll ohne Umschreiben auf Huaweis Ascend laufen. Der Engpass bei Rechenleistung und Speicher bleibt, doch die Softwareschicht ist Chinas schnellste Baustelle. Für Europa folgt daraus, dass Souveränität bei den eigenen Wechselkosten beginnt.
EU-Zölle auf China-Importe bringen JD.com näher zu Europas Kunden
Der neue EU-Zoll auf Kleinsendungen wirkt anders als erhofft. Er beschleunigt, dass chinesische Plattformen Ware gebündelt einführen und in europäischen Lagern vorhalten, und bringt sie damit näher an die Kunden. Im lokalen Lager entscheiden Kapital und Prognosefähigkeit, wo JD und Amazon im Vorteil sind; die geplante Übernahme von Ceconomy durch JD macht das in Deutschland sichtbar. Der europäische Handel verliert so in vielen Kategorien seinen bequemsten Vorteil, die Nähe zum Kunden.
Industriepolitik: 5 Dinge, die Deutschland ändern muss
Chinas Aufstieg zeigt, dass eine vorausschauende und fokussierte Industriepolitik Früchte trägt; in einer unsicher gewordenen Handelswelt gibt es keine Geopolitik mehr ohne sie. Als ordnende Klammer für Deutschland benennt der Text den elektrischen Industrie-Stack, der von Batterien und Leistungselektronik bis zur Rechenleistung reicht. Bei KI empfiehlt er, Trainings- und Inferenzstrategie zu trennen und offene chinesische Modelle in einem europäischen Programm für den sicheren Einsatz anzupassen. Wirksam wird das nur mit einem selbstsicheren europäischen Blick, etwa wenn Deutschland paneuropäische Kooperationen so fördert wie innerdeutsche.
Das Fable-Exportverbot ist der Grönland-Moment der KI
Mit dem Exportverbot für Fable beginnt eine Ära, in der die leistungsfähigsten Modelle nicht mehr allen über eine Self-Serve-API offenstehen. Die Anbieter werden den Zugang segmentieren und an Kundenprüfungen knüpfen. Europa droht damit ein Problem der kurzen Wege, weil US-Unternehmen näher an den Labs sitzen und bessere Modelle bekommen. Im ungünstigen Fall kauft Europa nur noch Produkte, die andere mit KI gebaut haben. Kurzfristig liegt die pragmatische Chance in der Anwendungsebene, auf der sich amerikanische und offene chinesische Modelle verbinden lassen; langfristig braucht Europa eigene Spitzenmodelle.
Im Podcast Exchanges bespreche ich mit Jochen Krisch regelmäßig die Entwicklung des Handels.
Exchanges·
Exchanges #397: Consumer Agents – oder warum Amazon Muse aussperrt
Mit Muse hat Meta offenbar den ersten persönlichen KI-Agenten gebaut, der im Mainstream ankommt. Amazon sperrte ihn umgehend aus, während Shopify ihm die angeschlossenen Shops öffnete. Das Gespräch mit Jochen Krisch erklärt, warum gerade Marktplätze durch Consumer Agents unter Druck geraten und weshalb das Modell unter der Haube für diese strategischen Fragen kaum noch zählt. Am Ende steht die Frage, ob Consumer Agents überhaupt Werbung brauchen.
Exchanges #388: AI-Protokolle – oder: Schlägt das Google-Imperium zurück?
Mit dem Universal Commerce Protocol will Google den Einkauf durch KI-Agenten standardisieren und hat dafür Walmart, Shopify und Zalando gewonnen. Die Folge fragt, ob der Onlinehandel damit auch in der KI-Welt von Google abhängig bleibt. Aufschlussreich ist, wer fehlt: Amazon, Alibaba und andere große Händler beteiligen sich auch an dieser Initiative nicht.